Kleinbauern tun sich zusammen

Gemeinsam sind wir stark, lautet die Devise der indianischen Kleinbauern-Genossenschaft am Atitlán-See im Hochland Guatemalas, von deren Anlagen der Atitlán-BioGourmet-Kaffee stammt. Erst der Zusammenschluß von über 100 Kleinbauern-Familien ermöglicht die Weiterverarbeitung und Vermarktung der Ernte in eigener Regie.

Ein großer Fortschritt – bedenkt man, daß noch heute die indianische Bevölkerung Guatemalas die Masse der Arbeitskräfte auf den Kaffeeplantagen von Großgrundbesitzern stellt und sich als Tagelöhner verdingt. Selbst eigener Landbesitz mit Kaffeeanbau läßt dem einzelnen Bauern keine andere Wahl, als die Tagesernte zu geringem Preis Aufkäufern an der Straße zu überlassen, da er selbst in der Regel weder über ein Transportfahrzeug verfügt noch die Möglichkeit zur Weiterverarbeitung hat. Zur Zeit der Militärdiktatur 1980-85 galten Genossenschaften als potentiell subversiv und kommunistisch angehaucht und standen im Verdacht, staatsfeindlich zu sein. Jedoch mit dem Beginn des Demokratisierungsprozesses zeigten gerade Kooperativen eine erstaunliche Leistungs- und Organisationsfähigkeit und kamen dadurch auch in den Genuß von internationaler Hilfe. Mitglieder der Kleinbauern-Genossenschaft, von deren Anlagen der Atitlán-Kaffee stammt

Anschub durch internationale Hilfe

Davon profitierte auch die Kleinbauern-Genossenschaft am Atitlán-See: Kredite erleichterten den Einstieg in den Kaffee-Anbau. 1989 begann man bereits mit ökologischen Kulturmethoden. Mit Hilfe von holländischen Entwicklungsgeldern konnten 1991 Gelände und Maschinen zum Aufbau eines „beneficio humedo“, eine Anlage zur Aufbereitung des Kaffees im hochwertigen, sogenannten nassen Verfahren, erworben werden. Damit stand der Weg frei, den auf eigenen Anlagen zu „pergamina“ (erste Veredelungsstufe) verarbeiteten Kaffee auch selbst zu vermarkten.

Mehr Sicherheit und ein höherer Erlös

Die Entscheidung, Kaffee anzubauen ist trotzdem mit Entbehrungen und Risiken verbunden: Da ist einerseits der Ernteverlust der Grundnahrungsmittel Mais und Bohnen auf den Parzellen, die jetzt mit Kaffeebäumchen bepflanzt werden. Andererseits verschlingen die Pflänzchen für 1000 Quadratmeter etwa ein halbes Monatsgehalt, müssen gepflegt werden und liefern erst nach vier bis fünf Jahren eine magere Ernte. Bei vollem Ertrag nach etwa sieben Jahren entspricht der Erlös der Ernte ungefähr drei Monatsgehältern. Davon müssen allerdings die Unkosten abgezogen werden. Schlagen die Schwankungen des Weltmarktpreises nach unten aus, könnte sich der Verdienst schnell im Nichts auflösen. Die Genossenschaft schützt ihre Mitglieder vor solchen überraschungen, indem sie für einen Großteil der zu erwartenden Ernte mit den Abnehmern bereits im Herbst zuvor Verträge mit Abnahme- und Preisgarantien abschließt. Der einzelne Bauer erhält mehr Sicherheit – und einen höheren Erlös.

Verbesserung der Lebensbedingungen

Zu den Aufgaben der Kooperativen gehören aber neben der gemeinsamen Verarbeitung und Vermarktung des Produkts auch die Unterstützung assoziierter Bauernfamilien: Kredite für Hausbau und Landwirtschaft, Ausbildung der Mitglieder (z.B. im ökologischen Anbau), gemeinsame Initiativen zur Verbesserung der Lebensbedingungen, wie Bau von Schulen und Frauenprojekte.

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