Die Geschichte des Kaffee-Anbaus in Guatemala

Die starke Nachfrage in den Industrieländern hat einen Wirtschaftszweig mit Milliardenumsätzen entstehen lassen und das Wirtschaftsgefüge ganzer Länder in der Dritten Welt umgekrempelt.

Guatemala ist hier keine Ausnahme und die Geschichte des Kaffeeanbaus ist alles andere als eine ruhmreiche Erfolgsstory. Sie ist aufgebaut auf Blut, Schweiß und Tränen der indianischen Hochlandbevölkerung.
Zwangsarbeit und Abhängigkeit

Der Eisenbahnbau ab 1880 war Voraussetzung für den Kaffeeanbau. Die Schienen mußten von den schwer zugänglichen Plantagen zur Hauptstadt und zu den Häfen führen. In Zwangsarbeit wurden die Indios zum Bau herangezogen, gab es doch keine anderen Arbeitskräfte in ausreichender Zahl. Tausende starben an Krankheiten und Erschöpfung.
Die Massen an Arbeitskräften, die für die Kaffeeernte notwendig waren, wurden bis 1925/30 ebenfalls über indianische Zwangsarbeiter gedeckt. Zuständig für die Entsendung der Zwangsarbeiter waren die Gouverneure in den Verwaltungsdistrikten, die wie Götter über die Indios entschieden.

Die Militärdiktatur von 1933-1944 verbesserte die Situation insoweit, als die Willkür der Zwangsarbeit in geordnete Bahnen gelenkt wurde und jeder Indiobauer für 90 Tage im Jahr eine „vernünftige“ Arbeit nachweisen mußte – im Klartext: Straßenbau und Plantagenarbeit.

Nach 1945 endete die staatliche Zwangsarbeit, aber die Plantagenbesitzer versuchten, die Indios über ein ausgeklügeltes Kreditsystem für die Erntezeit zur Abarbeitung der Schulden an ihre Plantagen zu binden.

Bis weit in die 60er Jahre funktionierte dieses System leidlich.
Die Geschichte des Kaffee-Anbaus ist alles andere als eine ruhmreiche Erfolgsstory

Kleinbauern bilden Genossenschaften

Der Aufbau von Bauerngenossenschaften in den 70er Jahren ermöglichte nach und nach die Lösung aus dieser Abhängigkeit. Unter anderem die katholische Kirche unterstützte die Indiobevölkerung mit neuen Konzepten (Theologie der Befreiung), sehr zum Ärgernis der Plantagenbesitzer.

Ende der 70er Jahre brach dann auch im Zuge antikommunistischer Bestrebungen in Lateinamerika der Konflikt offen aus, und jeder Versuch, den bestehenden Status Quo in Frage zu stellen, galt als subversiv und wurde mit Gewalt bekämpft. Eine Million Indios aus dem Hochland wurden in gut kontrollierbare Wehrdörfer zwangsumgesiedelt, Hunderttausende flüchteten nach Mexiko und Zehntausende starben.

Die Demokratisierung ab 1986 löste die Militärdiktatur ab, die es nicht vermocht hatte, die Uhr zurückzudrehen. Mehr denn je organisieren sich indianische Interessensgruppen und versuchen, ihre Belange selbst zu bestimmen.
Das Monopol der Kaffeebarone weicht langsam auf. Ein deutliches Beispiel für die Wirtschaft ist der zunehmende Kaffeeanbau in der Atitlan-Region durch indianische Kleinbauern. Um ihre kleinen Mengen Kaffee nicht an große Kaffeepflanzer verkaufen zu müssen, schließen sich Kleinbauern zu Genossenschaften zusammen mit dem Ziel, Weiterverarbeitung und Vermarktung in Eigenregie zu führen.

Doch der Abnabelungsprozeß bleibt beschwerlich, die Hindernisse sind groß.

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